Am Dienstag, den 9. Juni 2026 kommt es vor dem Verwaltungsgericht Berlin zum mündlichen Termin in dem Rechtsstreit der Berliner Geschichtswerkstatt gegen das Bezirksamt Berlin, das den Versuch unternommen hat, den „Platz der Märzrevolution“ am Maxim-Gorki-Theater verschwinden zu lassen.
Die schon länger dauernde Stadtposse hat folgenden Hintergrund: Am 18. März 1998, zum 150-jährigen Jubiläum der Märzrevolution, war eine genau bezeichnete Fläche vor dem heutigen Gorki-Theater in „Platz der Märzrevolution“ benannt und dies auch im Amtsblatt von Berlin verkündet worden. Grund für die Benennung: Im Jahr 1848 tagte von Mai bis September die nach der Revolution gewählte Preußische Nationalversammlung in dem Gebäude der damaligen Singakademie, heutiges Maxim-Gorki-Theater. Zur Schaffung des Platzes war 1998 ein noch vorhandener, aber nicht mehr genutzter Straßenbahntunnel gedeckelt worden. Weitere Baumaßnahmen folgten nicht. Ein Straßenschild wurde nie aufgestellt. Auf diesen Mangel haben in der Vergangenheit zahlreiche Gruppen und Einzelpersonen aufmerksam gemacht, unter anderem die Berliner Geschichtswerkstatt.
Die Behandlung eines 2024 gestellten Antrags zur Aufstellung von Schildern in der BVV-Mitte endete schließlich damit, dass das Bezirksamt, das mindestens bis 2019 von der Existenz des Platzes ausging, durch die Verkündung im Amtsblatt vom 11. April 2025 erklärte, die Sache habe sich „auf andere Weise erledigt“, da es den Platz nicht gebe, denn dort sei nie ein Platz gestaltet worden. Mit dieser Argumentation, ein Platz ist nur ein Platz, wenn er wie ein Platz aussieht, müssten in Berlin an zahlreichen „Nicht-Plätzen“ die Schilder entfernt werden.
Gegen diese juristisch unhaltbare Bekanntgabe erhob die Berliner Geschichtswerkstatt Mitte 2025 Klage vor dem Berliner Verwaltungsgericht. Der Platz existiert immer noch in dem seinerzeit genau beschriebenen Ausmaß. Weder ein Vulkanausbruch, noch ein neues Flussbett der Spree haben den Platz vor dem Maxi-Gorki-Theater untergehen lassen. Bei Google und anderen Suchdiensten ist der Platz ebenfalls verzeichnet. Das Bezirksamt ist weiterhin verpflichtet, ein Straßenschild aufzustellen.
Der Platz der Märzrevolution erinnert neben dem Platz des 18. März vor dem Brandenburger Tor in Berlin-Mitte an eine der bedeutendsten Phasen der demokratischen Geschichte unseres Landes. Der Benennungen sind eine kleine Kompensationsmaßnahme für dutzende von Straßennamen nach preußischen Königen, Prinzessinnen, Generälen etc., die damals geistig oder tatsächlich auf der anderen Seite der Barrikade gestanden haben.
Das Verhalten des Bezirksamts ist keine Glanzleistung auf dem Gebiet der Kulturpolitik. Statt an die demokratischen Traditionen unserer Geschichte zu erinnern, versucht die Behörde ein Stück Geschichte auszuradieren.
