Vortrag von Jürgen Karwelat, Berliner Geschichtswerkstatt e.V.
in der Freizeitstätte „Mireille Mathieu“, Boelkestraße 102, 12101 Berlin
Vor 90 Jahren, am 21. April 1936 wurden in der Gartenstadt Tempelhof 16 Straßen nach „Fliegerhelden“ des Ersten Weltkriegs benannt. Die Nationalsozialisten feierten an diesem Tag, dem Todestag von Manfred von Richthofen, den „Tag der Luftwaffe“. Die Benennungen gingen auf die Initiative von Reichsluftfahrtminister und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, zurück, der selbst Kampfpilot war und nach dem Absturz Richthofens dessen Kommando über Jagdgeschwader übernommen hatte. Zusammen mit den schon 1930 und 1931 vorgenommenen Benennungen nach Fliegern dienten die Benennungen der nationalsozialistischen Wiederaufrüstung und der Militarisierung der Gesellschaft.

Stadtplan 1946 mit neuen Straßennamen (rot eingeklammert), Archiv der Berliner Geschichtswerkstatt
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Vorschläge zur Umbenennung des gesamten Viertels nach pazifistischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Die Manfred-von-Richthofen-Straße sollte zum Beispiel nach dem anarchistischen Schriftsteller Erich benannt werden. Trotz zahlreicher Anläufe seit 1946 heißen die Straßen, bis auf die damalige Immelmannstraße, heute Dudenstraße, und den Adolf-Scheidt-Platzu, immer noch so, wie sie 1936 von den Nationalsozialisten umbenannt wurden. Der Vortrag zeichnet die Auseinandersetzungen um die Namensgebungen nach und bietet auch Gelegenheit zur Diskussion, wie wir heute mit diesen Straßennamen umgehen können.
Die Veranstaltung ist gratis. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

