Ort: Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstraße 49, 10781 Berlin-Schöneberg Buchvorstellung: Autor Dr. Dieter Vaupel, Historiker
Moderation: Jürgen Karwelat, Berliner Geschichtswerkstatt

Frei nach dem Motto der Geschichtswerkstätten-Bewegung, „Grabe, wo du stehst“, konzentriert sich der Autor dieses Buches auf die Lokalgeschichte in ihrer ganzen persönlichen, historischen und gegenwärtigen Dimension.
Es geht um die Geschichte einer Frau, die im Jahr 1941 vor aller Augen in den nordhessischen Orten Melsungen und Gensungen öffentlich gedemütigt und misshandelt wurde, weil sie Kontakt zu französischen Kriegsgefangenen hatte. Sie hatte etwas getan, was damals verboten war und was nach den Gesetzen des NS-Staates hart bestraft wurde. Sie wurde nicht nur öffentlich gedemütigt, sondern anschließend auch in Haft genommen. Zunächst kam sie in das berüchtigte Arbeitserziehungslager Breitenau bei Guxhagen, danach war sie im Kasseler Gestapo-Gefängnis und dann fast drei Jahre im Frauenzuchthaus Ziegenhain/Nordhessen interniert.
Dass über ihre Geschichte bis heute weitgehend geschwiegen worden ist, liegt sicher auch in den Schuld- und Schamgefühlen begründet, die einige von denjenigen nach 1945 hatten, die dabei gewesen sind, als ihr die Haare geschoren und sie der johlenden Menge präsentiert wurde. Die meisten Menschen, die Teil der Aktion waren, ob als Akteure oder „Gaffer“, lebten weiterhin im Ort des Geschehens. Die Frage nach den Tätern bleibt bis heute unbeantwortet.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs ging Edith Miltenberger mit ihrem zweiten Ehemann in die damalige Sowjetische Besatzungszone (SBZ) nach Berlin, wo sie eine Familie gründete und die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte. Ihre jüngste Tochter ist Mitglied der Berliner Geschichtswerkstatt.
Eine Anmeldung für die Veranstaltung ist nicht notwendig.

