Aufbau und Erschließung
In enger Zusammenarbeit mit den
Betroffenenverbänden erforscht die Berliner Geschichtswerkstatt seit 1995 die
Geschichte der Zwangsarbeit im nationalsozialistischen Berlin-Brandenburg. Im
Mittelpunkt steht dabei die Sammlung und Archivierung von Fotografien und
Briefen tschechischer, polnischer, belorussischer und ukrainischer
Zivilarbeiterinnen und -arbeiter, die in Berlin eingesetzt waren.
Dank der Unterstützung verschiedener
Institutionen konnten wir gelegentlich die ehrenamtliche Arbeit um einige,
freilich begrenzte Honorarverträge ergänzen. Dennoch übersteigt die Menge
eingehender Briefe und Fotos teilweise unsere Kapazitäten, zeigt aber auch,
wie groß das Bedürfnis ist, die eigene Geschichte zu erzählen, wie
dringlich die heute noch Lebenden auf irgendeine Anerkennung seitens der
Deutschen warten. Sie sind überrascht, aber sehr froh, dass sich nach
Jahrzehnten noch einmal jemand für ihre Erinnerungen interessiert. Die Zeit
drängt dabei: Nicht mehr lange sind die Menschen in der Lage, ihr Wissen
weiterzugeben.
Die seit 1995 aufgebaute Spezialquellensammlung
umfasst primär Fotografien und Briefe ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeiter. Ferner gibt es Exzerpte und Kopien von Akten aus verschiedenen
Archiven, biographische Zeugnisse wie Interviews und Tagebücher, Dokumente
und Exponate aus Privatsammlungen, Videofilme, eine Spezialbibliothek (auch
mit „grauer Literatur“), Aufsätze aus Zeitschriften, eine Sammlung von
Zeitungsausschnitten und Adressendateien.
Die Berliner Geschichtswerkstatt ist dabei, die
eingegangenen Quellen mit dem PC-Dokumentationsprogramm LIDOS zu erschließen.
Ziel ist eine regionalhistorische Quellensammlung, die nicht nur wir, sondern
auch andere Interessierte aus Presse, Forschung und politischer Bildung
mittels einer leicht handhabbaren Datenbank bequem nutzen können. Trotz der
noch laufenden Arbeit ist die Quellensammlung bereits nutzbar.
Bestände
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Derzeit umfasst die Sammlung über 1000 Fotos
von tschechischen, niederländischen, polnischen, ukrainischen und weißrussischen
ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Einige der reproduzierten
und verschlagworteten Fotos wurden bereits in Ausstellungen, Büchern und
Zeitschriften publiziert. Dazu kommen rund 70 Briefe aus Weißrussland und der
Ukraine, hauptsächlich von Frauen, rund 65 Briefe aus Tschechien, hauptsächlich
von Männern, und über 200 Briefe aus Polen. Diese sehr persönlichen,
teilweise erschütternden Erinnerungen liegen im Original und in Übersetzung
vor; sie sind teilweise sequenziert und verschlagwortet. Häufig liegen
Dokumente wie Werksausweise und Verpflichtungsbescheide bei. Darüber hinaus
sind fast 1000 Aktenfundstellen in einschlägigen öffentlichen Archiven mit
betroffenem Betrieb und Kurzinhalt vermerkt. |
Trotz der laufenden Arbeit ist die Sammlung
bereits nutzbar. Wer beispielsweise etwas über die Arbeitssituation
sowjetischer Zwangsarbeiterinnen bei der AEG, über den Alltag von Tschechen
in Köpenick oder über männliche und weibliche Erinnerungen an das
Lagerleben erfahren will, findet die Beschreibungen der entsprechenden Fotos,
sequenzierte Inhaltsangaben der Briefe und Aktenfundorte sowie ergänzende
Literaturhinweise. Allerdings sind die heterogenen Materialien derzeit noch
sehr unterschiedlich detailliert erschlossen.
Analyse und Publikation
Auszüge aus den Erinnerungsberichten und Fotos sind in zwei Büchern
veröffentlicht worden:
Genauere Überblicke über die Sammlung und Auswertungen im Hinblick auf
verschiedene Themen, z. B. Fotografie als Quelle, das Arbeitserziehungslager
Fehrbellin oder die medizinische Versorgung von ZwangsarbeiterInnen finden
sich unter "Projektpublikationen".
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