Berliner Zeitung, 29.01.2001: Die Baracken stehen noch
Eine provisorische Gedenktafel zur Erinnerung an NS-Zwangsarbeiter ist am
Sonnabend in der Britzer Straße in Köpenick auf Initiative der Grünen und
der Berliner Geschichtswerkstatt eingeweiht worden. "Ausbeutung und
Rassismus verletzten ihre Würde zutiefst", steht unter anderem auf der
Tafel. Die Baracken auf dem Gelände sind nach Forschungen der
Geschichtswerkstatt das einzige erhaltene Zeugnis von einst mehr als tausend
Berliner Zwangsarbeiterlagern. Allein in Köpenick habe es 82 Lager
"direkt vor den Haustüren der Berliner" gegeben. Die Zwangsarbeiter
stammten vor allem aus der Ukraine, aus Italien, Frankreich und Belgien.
"Das vergessene Lager hat in der Topografie des Gedenkens noch keinen
Platz gefunden", sagte Gisela Wenzel von der Geschichtswerkstatt. Nach
Angaben der stellvertretenden Bezirksbürgermeisterin Eva Mendl (PDS) soll
aber noch in dieser Wahlperiode ein Dokumentationszentrum entstehen. Der
Bezirk Köpenick/Treptow tue auch alles, einen Beschluss der alten Köpenicker
Bezirksverordnetenversammlung vom Juli 2000 umzusetzen, um die provisorische
Tafel durch eine dauerhafte zu ersetzen.
Neue Koordinierungsstelle
Das bei der Innenbehörde angesiedelte Entschädigungsamt soll sich
künftig zentral um Nachfragen von Zwangsarbeitern kümmern. Das wurde am
Wochenende am Rande einer Tagung der Geschichtswerkstatt bekannt. Ein Konzept
dafür liegt aber bisher noch nicht vor. Im Vergleich zu den anderen
Bundesländern erhält Berlin die meisten schriftlichen Nachfragen von
ehemaligen Zwangsarbeitern.
Weitere Presse-Resonanz
- FAZ, 29.01.2001
- heute, 27.01.2001
- B1-Abendschau, 27.01.2001
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