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Italienische Militärinternierte

Berliner Geschichtswerkstatt


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Italienische Militärinternierte in den Ruinen ihrer bombenzerstörten Baracke, Berlin-Spandau

Italienische Militärinternierte in den Ruinen ihrer bombenzerstörten Baracke 
in Berlin-Spandau, Am Juliusturm, 1944

Historischer Überblick

Nachdem der faschistische Diktator Mussolini im Juli 1943 gestürzt worden war, schloss die neue italienische Regierung unter Marschall Badoglio am 8. September 1943 einen Waffenstillstand mit den Alliierten und schied aus dem Bündnis mit Deutschland aus. Daraufhin errichtete die Wehrmacht in Italien ein brutales Besatzungsregime und nahm alle italienischen Soldaten gefangen. Als sogenannte „Militärinternierte" wurde ihnen der für Kriegsgefangene geltende internationale Schutz verweigert. Rund 600 000 Militärinternierte (IMIs) wurden in die Lager im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten verschleppt und zur Zwangsarbeit eingesetzt; allein in Berlin schufteten über 30 000 für die Rüstungsindustrie. Die Lebensbedingungen in den Barackenlagern waren unmenschlich: Hunger, Zwangsarbeit, Krankheiten und Bombenangriffe kosteten Zehntausenden das Leben. Die Rüstungsindustrie dagegen profitierte von diesem neuen Arbeitskräfte-Reservoir.

Auf der politisch-rassistisch Diskriminierungsskala der Nationalsozialisten waren die ehemaligen Verbündeten nun plötzlich ganz weit unten angesiedelt; die deutsche Bevölkerung beschimpfte sie als "Verräter" und "Badoglios". Alte Ressentiments wurden reaktiviert und wirkten mit Schimpfworten wie „Itaker" bis weit ins Wirtschaftswunder hinein weiter. In der öffentlichen Erinnerung in beiden Ländern sind die IMIs bis heute fast vergessen.

Im Herbst 1944 wurden die Militärinternierten auf Drängen von Rüstungsminister Speer und dem wieder eingesetzten Mussolini-Regime in ein Zivilarbeitsverhältnis überführt. Heute betrachtet die Bundesregierung diesen Statuswechsel aufgrund eines fragwürdigen juristischen Gefälligkeitsgutachtens als nicht wirksam. Die Folge: Etwa 100 000 Überlebende gelten als Kriegsgefangene und bleiben damit, wie alle Kriegsgefangenen, von den Zahlungen nach dem Stiftungsgesetz ausgeschlossen. Vor Berliner Gerichten klagen Betroffene nun gegen diese Verweigerung der ihnen ursprünglich zugesagten Entschädigung.

Weitere Infos im Tagungsbericht zum Workhop 2003: imi-workshop-dokumentation.pdf

 

Gerichtsverfahren - Informationen

 

Warum wurden italienische Militärinternierte nach der Verabschiedung des Stifungsgesetzes von der Entschädigung ausgeschlossen?

Manfred Teupen aus Mailand fragte 2003 in der Mailingliste NS-Zwangsarbeit,

Warum ein Prof. Niethammer, dem die Aufgabe oblag, Schaetzungen zu den Ueberlebenden anzustellen (diese dienten dazu den Finanzbedarf des Entschaedigungsfonds zu berechnen), keine Zahlenangaben zu den IMIs machen konnte, was einem Dr. Spoerer hingegen sehr wohl gelang?
Warum die IOM noch vor dem Inkrafttreten des Stiftungsgesetzes ein internes Gutachten anfertigten liess, das zu dem Schluss kam, dass die IMIs entschaedigungsberechtigt seien?
Warum die IMIs selbst im Antragsformular der IOM noch explizit aufgefuehrt wurden (S. 6) obwohl sie, wie man heute glauben machen will, vom Gesetz gar nicht entschaedigt werden sollten.
Warum selbst am 9. April 2001, d.h. 8 Monate nach der Verabschiedung des Stiftungsgesetzes, Herr Dr. Michael Jansen von der Stiftung Herrn Dirk De Winter von der IOM folgendes mitteilen konnte: "... we have to inform you that a final decision on the question wether compensation can be paid on the basis of the German Foundation Act to Italian Military Internees has not been adopted yet."
Warum Herr Dr. Jansen diese Feststellung mit dem Hinweis verband: "As you know, the question of whether Italian Military Internees ar eligible for compensation is poltically very sensitive and has far reaching consequences for the IOM and its budget. Moreover, the question may have implications for an eventual eligibility of other groups of prisoners of war which have to be considered carefully."
Warum erst zu einem Zeitpunkt, an dem bereits Zehntausende von IMI-Antraegen auf Entschaedigung eingegangen waren und das Loch in der Stiftungskasse mehr als offenkundig wurde, die Bundesregierung einen Juristen (nicht etwa einen Moraltheologen oder einen Historiker) engagierte, um den Ausschluss der IMI zu saktionieren, obwohl sich lt. Verwaltungsgericht aus dem Stiftungsgesetz nur eine moralische und historische Verpflichtung zur Entschaedigung ableiten lasse, nicht aber eine rechtliche?
Warum gerade Prof. Dr. Tomuschat, und eben nur er, mit dem Gutachten betraut wurde, wobei ihm sogar die Erfindung des "juedischen IMI" gelang.
Warum 45 000 der mehr als 120 000 italienischen Antragsteller im November letzten Jahres einen Ablehnungsbescheid erhielten, in dem, man hoere und staune, als einzige Ausnahme nicht etwa die Ableistung von Zwangsarbeit in einem "Konzentrationslager", sondern in einem "Vernichtungslager" (im Original "campo di sterminio") zugelassen wurde (wobei es sich bekanntlich um einen Lagertyp handelt, der der industriell organisierten Vernichtung der Juden diente)?
Warum polnische Kriegsgefangene von der Stiftung entschaedigt werden, italienische Militaerinternierte, die nicht als Kriegsgefangene behandelt (sic!) wurden (von den sowjetischen "Kriegsgefangenen" einmal ganz zu schweigen) und zum Grossteil unter Umgehung der Genfer Konvention in der Rüstungswirtschaft eingesetzt wurden, aber nicht?

Manfred H. Teupen, Mailand

 

19.12.2003: Ex-IMIs besetzen deutsches Konsolat in Turin

(ANSA) - TORINO, 19 DIC - Un gruppo di ex internati, che hanno svolto lavoro coatto in Germania durante la seconda Guerra Mondiale, ha occupato la sede del Consolato tedesco a Torino, in corso Vittorio Emanuele, per protestare contro i mancati risarcimenti.
L'avvocato Procacci ha notificato questa mattina per conto del ''Comitato ex internati lavori coatti in Germania'', con sede ad Avigliana (Torino), un atto di diffida al governo tedesco ''ad adempiere ai risarcimenti dovuti agli internati militari e civili che hanno svolto lavoro coatto durante la seconda guerra mondiale.
''Dopo avere depositato al Parlamento Europeo - spiega Mario Borghezio, parlamentare della Lega Nord - una proposta di risoluzione di condanna della Germania, appoggiata da altri parlamentari della Casa delle Liberta', ho accompagnato al Consolato una delegazione di ex internati. Abbiamo chiesto di avere un colloquio, anche telefonico, con l'ambasciatore o chi rappresenta il governo tedesco e ci fermeremo nei locali del consolato finche' la nostra richiesta non sara' soddisfatta''. ''Siamo qui - sottolineano Il presidente del Comitato, Mauriglio Borelli, e il vicepresidente, Ottavio Allasio - per rivendicare i nostri diritti. Ci prendono in giro da troppo tempo''. (ANSA).

14.03.2004: Klage gegen Deutschland auch in Italien möglich

Rom · 14. März · dpa · Ehemalige italienische Zwangsarbeiter und deren Erben können auch vor italienischen Gerichten Deutschland auf Entschädigung verklagen. Dies hat das römische Kassationsgericht entschieden. Die Obersten Richter gaben der Klage eines Italieners statt, der 1944 nach Deutschland deportiert worden war. Bisher waren Entschädigungsklagen gegen Deutschland vor italienischen Gerichten unter Hinweis auf die Souveränität der deutschen Justiz abgewiesen worden. Während des Zweiten Weltkrieges waren mehrere Hunderttausend Italiener als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden. Deutschland habe selbst die Deportation als Verbrechen anerkannt und einen Entschädigungsfonds eingerichtet, begründeten die Richter ihr Urteil. Zudem habe die Deportation auf italienischem Boden begonnen und daher könnten auch italienische Gerichte angerufen werden.

Frankfurter Rundschau, 15.3.04

Indennizzi negati. Si riapre la partita, Il Manifesto, 17.04.2004

23.02.2005: 14 italienische Deportierte, die bei Daimler-Benz in Gaggenau eingesetzt waren, haben in
Turin Schadensersatzsklage erhoben (ANSA-Meldung mit Übersetzung, PDF)

 

Liste aller deutschen Kriegsgefangenenlager 

(mit Erklärung der Abkürzungen)
http://www.moosburg.org/info/stalag/laglist.html

 

Anfragen nach Einzelschicksalen

Deutsche Dienststelle
Eichborndamm 179
13403 Berlin
Tel. 030-41904-111
Fax 030-41904-100
www.dd-wast.de

Die Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (ehemals: Wehrmachtsauskunftstelle für Kriegerverluste und Kriegsgefangene - WASt) nimmt personenbezogene Anfragen entgegen. Zwar wurden 1945 viele Akten über alliierte Kriegsgefangene von der amerikanischen bzw. sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und abtransportiert. Dennoch hat die Deutsche Diensstelle noch einen Restbestand von ca. 1.500.000 Unterlagen über fremdländische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam. Suchanfragen können auf der Homepage der Deutschen Diensstelle auch online gestellt werden.

 

Literatur

Die wichtigsten Bücher zum Thema sind

  • Gerhard Schreiber: Die italienischen Militärinternierten im deutschen Machtbereich 1943 - 1945. Verraten - Verachtet - Vergessen (= Beiträge zur Militärgeschichte, hg. v. Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Bd. 28), München 1990. 

  • Gabriele Hammermann: Zwangsarbeit für den Verbündeten. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der italienischen Militärinternierten in Deutschland 1943 – 1945, Tübingen 2002.

  • Leonardo Calossi: Anmerkungen zu einer Internierung in Deutschland 1943 - 1945. Zwangsarbeit am Beispiel eines Italienischen Militärinternierten bei Kugelfischer, Schweinfurt 2003.

Weitere Literatur in der Spezialbibliothek der Berliner Geschichtswerkstatt:

  • Volland, Klaus (Bearb.): Das Kriegsgefangenenlager Sandbostel. Eine Wanderausstellung des Trägervereins Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel, Begleitbroschüre. Bremervörde: Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel, 1994.

  • Bauer, Herbert: Stalag III A. Das ehemalige Kriegsgefangenenlager des Zweiten Weltkrieges bei Luckenwalde. Luckenwalde, o.J.

  • Mai, Uwe: Kriegsgefangene in Brandenburg. Stalag III A in Luckenwalde 1939 - 1945. Berlin: Metropol, 1999.


Links

Hier haben wir einige Internet-Adressen zusammengestellt, die Informationen zu Militärinternierten bieten.

 

 

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