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Streit um Flick: Zentralratsmitglied Fürst stellt
Glaubwürdigkeit der Preußenstiftung in Frage
10. Jul 2004 08:04

Michael Fürst, Mitglied des Zentralrats der Juden, hat in einem der Netzeitung vorliegenden Brief der Preußenstiftung vorgeworfen, aktiv an der Vertuschung der NS-Vergangenheit der Flick-Familie mitzuwirken.

Entgegen der Aufforderung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) den Streit um die in Berlin geplante Ausstellung der «Friedrich Christian Flick Collection» nicht weiter eskalieren zu lassen, gibt es neue Kritik aus dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Michael Fürst, Mitglied des Direktoriums im Zentralrat, übt in einem der Netzeitung vorliegenden Schreiben heftige Kritik sowohl an der SPK-Führung als auch an Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos).

In dem Brief an den Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, schreibt Fürst, beide Seiten hätten «wegen ihrer einseitigen öffentlichen Parteinahmen für den Sammler [Friedrich Christian Flick] jede Legitimation und Glaubwürdigkeit verloren», als «Moderatoren» in einer Diskussion über die Flick-Sammlung aufzutreten. «Welche Objektivität», fragt Fürst, «kann man von der Stiftungsratsvorsitzenden und Kulturstaatsministerin Christina Weiss erwarten, die den Sammler auch noch bei Anlässen lobt, die diesem selbst schon peinlich sein müssten?»

Sprachspielereien

An Generaldirektor Schuster gerichtet, kritisiert Fürst dessen Ablehnung, die Ausstellung zu verschieben. «Mit Sprachspielereien setzen Sie sich achselzuckend über ernstzunehmende Bedenken vieler Menschen im In- und Ausland gegen die plakative Herausstellung des Namens 'Flick' im Zusammenhang mit Ausstellung hinweg», schreibt er.

Fürst selbst hatte vor kurzem die Verschiebung der Ausstellung gefordert, damit Informationsdefizite aufgearbeitet werden können. Schuster lehnte dies mit den Worten ab: «Wir sind das Moratorium. Sieben Jahre lang wird diskutiert werden.» Solange soll die Flick-Sammlung in den Rieck-Hallen am Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen sein – begleitet von einem umfangreichen Begleitprogramm.

Generaldebatte unter Wölfen

Davon hält Fürst indes gar nichts. Er kritisierte, dass bei dem geplanten Kolloquium «Die Macht der Sammler und die Verantwortung der Museen» «kein einziger unabhängiger Historiker» dabei sein werde, der sich mit der Familiengeschichte des Flick-Enkels «seriös» befasst. Stattdessen seien befreundete Museumsdirektoren wie Glenn Lowry vom Museum of Modern Art oder McGregor von der Londoner Tate Gallery geladen. Unterhielten diese sich über den Sammler Flick, käme dies laut Fürst einer «Plauderei» gleich, die so «kritisch und kabarettreif» sei wie die «Ankündigung einer Generaldebatte unter Wölfen über das Verbot, Schafe zu essen».

Vor diesem Hintergrund wirft Fürst Museumsdirektor Schuster vor, «alle kritischen Fragen zur Flick Collection mit Kunst zukleistern» zu wollen. Die «Besorgnisse der Opfer» würden «totgeschwiegen». Es bleibe daher ein Rätsel, warum sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz «aktiv an den Verdunkelungsversuchen der NS-Vergangenheit» der Flick-Familie beteiligt, «anstatt von ihrem Sammler als Vorbedingung imperativ zu fordern, das Dunkel seiner Familien-Vergangenheit zu lichten».


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