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Das AEL Fehrbellin. Die Geschichte

Berliner Geschichtswerkstatt

 

Im Mai 1942 wurde das bei der Schwesterfabrik Rhinow bestehende Arbeitserziehungslager nach Fehrbellin verlagert. Am 28. Mai 1942 trafen die ersten 50 weiblichen Häftlinge aus Rhinow ein. Am 5. Juni 1942 begann der "Verstärkte Einsatz der Häftlinge des A.E.L.", vor allem zu Außenarbeiten sowie zur Flachs- und Hanfentholzung. 

 

Bis April 1945 waren kontinuierlich zwischen 300 und 600 "Häftlinge" oder "AEL-Mädels" (Firmenakten) im Einsatz. Bei einer vermuteten durchschnittlichen Haftdauer von 56 Tagen dürften rund 8000 Frauen durch das Lager gegangen sein. 

Das AEL Fehrbellin war - neben dem KZ Ravensbrück - das zentrale Frauenstraflager der Reichshauptstadt; insbesondere diente es der Disziplinierung der in Berlin eingesetzten Zwangsarbeiterinnen. Arbeitserziehungslager waren 'Kurzzeit-KZs': Die Haftdauer war auf 8 Wochen bis 3 Monaten begrenzt, damit die Häftlinge bald wieder am Arbeitsplatz zur Verfügung standen. Sie unterstanden der Gestapo, Fehrbellin der Stapostelle Potsdam. Die meisten Gefangenen waren ausländische Zwangsarbeiterinnen aus dem Berliner Raum, die Fluchtversuche unternommen hatten oder der Widersetzlichkeit, der 'Bummelei' oder Sabotage beschuldigt worden waren. Es gab Französinnen, Russinnen, Polinnen, Deutsche und andere Nationalitäten. Die Einweisung erfolgte ohne Gerichtsverfahren und ohne Bekanntgabe der Haftdauer. Die bereits durch Zwangsarbeit, Hunger und Bombenangriffe geschwächten Mädchen und Frauen waren in Fehrbellin KZ-gleichen Bedingungen ausgesetzt: Zur unzureichenden Bekleidung, dem Hunger und der harten Arbeit kamen stundenlange Appelle und sadistische Strafen. 

Die Zeitzeuginnen schildern die rasch fluktuierende Lagergesellschaft in ihren Erinnerungsberichten für die Berliner Geschichtswerkstatt als anonymen, sprachlosen Schrecken ohne die Möglichkeit von Gruppenbildung und Solidarität. Daher blieben die ehemaligen Häftlinge auch in der Nachkriegszeit mit ihrer Erinnerung alleine.  Als weibliche, überwiegend ausländische und überwiegend unpolitische Häftlinge fanden die Opfer von Fehrbellin wenig Raum in der öffentlichen Erinnerung, weder in Ost- oder Westdeutschland noch im Ausland.  

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Die ehemalige Waschbaracke des AEL Fehrbellin, 2000
Eine im Februar 2004 abgerissene Holzbaracke auf dem Gelände des AEL Fehrbellin, 2000 (Foto: Christian Kranz)

 

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