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Bis April 1945 waren
kontinuierlich zwischen 300 und 600 "Häftlinge" oder
"AEL-Mädels" (Firmenakten) im Einsatz. Bei einer vermuteten
durchschnittlichen Haftdauer von 56 Tagen dürften rund 8000 Frauen
durch das Lager gegangen sein.
Das AEL Fehrbellin war - neben dem KZ Ravensbrück - das zentrale
Frauenstraflager der Reichshauptstadt; insbesondere diente es der
Disziplinierung der in Berlin eingesetzten Zwangsarbeiterinnen. Arbeitserziehungslager waren 'Kurzzeit-KZs':
Die Haftdauer war auf 8 Wochen bis 3 Monaten begrenzt, damit die Häftlinge
bald wieder am Arbeitsplatz zur Verfügung standen. Sie unterstanden der
Gestapo, Fehrbellin der Stapostelle Potsdam. Die meisten Gefangenen waren ausländische Zwangsarbeiterinnen aus dem Berliner Raum, die
Fluchtversuche unternommen hatten oder der Widersetzlichkeit, der 'Bummelei'
oder Sabotage beschuldigt worden waren. Es gab
Französinnen, Russinnen, Polinnen, Deutsche und andere
Nationalitäten. Die Einweisung erfolgte ohne
Gerichtsverfahren und ohne Bekanntgabe der Haftdauer. Die bereits durch
Zwangsarbeit, Hunger und Bombenangriffe geschwächten Mädchen und Frauen
waren in Fehrbellin KZ-gleichen Bedingungen ausgesetzt: Zur unzureichenden
Bekleidung, dem Hunger und der harten Arbeit kamen stundenlange Appelle und
sadistische Strafen.
Die Zeitzeuginnen schildern die rasch fluktuierende
Lagergesellschaft in ihren Erinnerungsberichten für die Berliner
Geschichtswerkstatt als anonymen, sprachlosen Schrecken ohne die
Möglichkeit von Gruppenbildung und Solidarität. Daher blieben die
ehemaligen Häftlinge auch in der Nachkriegszeit mit ihrer Erinnerung
alleine. Als
weibliche, überwiegend ausländische und überwiegend unpolitische
Häftlinge fanden die Opfer von Fehrbellin wenig Raum in der öffentlichen
Erinnerung, weder in Ost- oder Westdeutschland noch im Ausland.
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Eine im Februar 2004 abgerissene Holzbaracke auf dem
Gelände des AEL Fehrbellin, 2000 (Foto:
Christian Kranz)
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