Seit 1994 arbeitet eine fünfköpfige
Projektgruppe der Berliner Geschichtswerkstatt zum Thema Zwangsarbeit im
nationalsozialistischen Berlin und Brandenburg (-> Liste
der Aktivitäten). Die akademische Forschung wird
dabei mit der lokalen Begegnungs- und Gedenkstättenarbeit
sowie intensiven Zeitzeugenkontakten verknüpft. Wir verbinden die Spurensuche nach den »vergessenen Lagern«
mit dem Interesse und Engagement für die »vergessenen Opfer«, aber auch dem
konzeptionellen Hintergrund eines alltagsgeschichtlichen Interview- und
Fotoarchivs.
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Der erste Arbeitsschritt war von der Spurensuche
geprägt. Zusammen mit der Antifa Treptow zeigten wir 1995 eine kleine Open-Air-Ausstellung auf dem Gelände des
letzten noch komplett erhaltenen Zwangsarbeiterlagers in
Berlin-Niederschöneweide.
Diese Ausstellung mit dem Titel »Das vergessene Lager«
war später auch in Schulen und anderen Institutionen zu sehen; sie kann bei
der Berliner Geschichtswerkstatt entliehen werden. Mit Rundgängen,
Veranstaltungen und Lobbyarbeit stritten wir dafür, dass die Baracken unter
Denkmalschutz gestellt werden das ist erreicht und dass sie als
Gedenkstätte und Dokumentationszentrum zur NS-Zwangsarbeit genutzt werden
das steht noch aus. |
Bei der Recherche in den Archiven fiel auf, dass
einschlägige Akten sehr verstreut und schlecht erschlossen sind.
Biographische und subjektive Quellen waren gar nicht vorhanden. Gerade im
Hinblick auf die visuell zu gestaltende Ausstellung bedauerten wir schließlich
besonders die völlig unzureichende Erschließung fotografischer Quellen. Bei
der Recherche und den begleitenden Veranstaltungen entstanden allmählich
intensive Kontakte zu den Betroffenenverbänden, zunächst vor allem in den
Niederlanden und Tschechien.
In einem zweiten Schritt halfen wir im September
1995, die vom Verband der tschechischen »Totaleingesetzten« konzipierte
Ausstellung Euch, die Ihr das nicht
erlebtet... Erinnerungen tschechischer FremdarbeiterInnen an Deutschland
1939-45 in Berlin zu zeigen. Dies war die erste Ausstellung in
Deutschland, in der sich ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter
selbst zu Wort meldeten. Dabei wurden wir auf die umfangreichen, weitgehend
unbekannten Fotobestände ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter
aufmerksam und konnten mit Betroffenen direkt in Kontakt treten. 1996
organisierten wir mit den Freunden des
Hendrik-Kraemer-Hauses, der Stichting Holländerei und anderen
Interessierten ein
internationales Symposium, das Opferverbände, Wissenschaftler und Initiativen
an einen Tisch brachte.
Als dritten Arbeitsschritt luden wir ehemalige
Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein, uns schriftlich ihre Geschichte zu
erzählen. Seither konzentrierten wir uns auf die Sammlung und Archivierung von
Fotografien und Briefen tschechischer, polnischer, belorussischer und
ukrainischer Zivilarbeiterinnen und -arbeiter, die in Berlin eingesetzt
waren.
Zur Beschreibung des Quellenbestands und seiner
Erschließung
Zur Liste bisheriger Veranstaltungen

Tschechische Zwangsarbeiter in Berlin. Auf der Tasche steht:
"Sklaven des 20. Jahrhunderts"
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