|
Zwangsarbeit in Berlin, hunderttausende menschliche Tragödien, ungezählte
Opfer. Der größte Menschenraub der Geschichte hatte viele Nutznießer - die
Kriegswirtschaft, kommunale Eigenbetriebe und private Haushalte.
Zwangsarbeitende Menschen waren während des Krieges allgegenwärtig. In tausend
Lagern, in Baracken, Tanzsälen und Schulen eingepfercht, war ihre Präsenz für
die Berliner Bevölkerung unübersehbar. Wer erinnert sich noch an diese
Menschen?
Die Rassenideologie der Nazis prägte das allgemeine Verhalten gegenüber den
nach Berlin verschleppten Jugendlichen, Frauen und Männern. Insbesondere
"Sowjetrussen" - die sogenannten "Ostarbeiter" - und Polen
waren nach den Juden und "Zigeunern" im Visier des Mordregimes. Viele
von ihnen überlebten nur, weil sie als kriegswirtschaftlich verwertbare
Arbeitskräfte gebraucht wurden.
Im öffentlichen Bewußtsein der Nachkriegszeit erlosch die Erinnerung an
Opfer und Nutznießer der Zwangsarbeit - bis sich die Überlebenden zu Wort
meldeten. 55 Jahre nach Kriegsende, im Juli 2000, verabschiedete der Deutsche
Bundestag das Gesetz zur Errichtung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung
und Zukunft". Mehrheitlich schiebt die deutsche Wirtschaft Einzahlungen in
den Stiftungsfonds auf die lange Bank - zögern, zaudern, Zeitgewinn. Die
Antragsfrist für Auszahlungen an die Opfer endet schon im April 2001. Die
Überlebenden sind heute über siebzig, viele über achtzig und neunzig Jahre
alt. Für sie läuft die Uhr schneller. Ihre dringenden Anfragen an den Berliner
Senat zeigen die Mühe der Erinnerung an konkrete Namen von Firmen und Orten, wo
sie in ihrer Jugend arbeiten mußten. Die Beschaffung der Nachweise ist eine
vorrangige Aufgabe. Wir appellieren an den Regierenden Bürgermeister und an den
Senat von Berlin:
Schieben Sie die Nachweisbeschaffung nicht auf lange Verwaltungswege!
Richten Sie eine zentrale Anlaufstelle ein, damit alle Anfragen von
ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern zügig bearbeitet werden!
Unterstützen Sie alle Initiativen zur Dokumentation der Berliner
Geschichte von Zwangsarbeit!
Unser Gemeinwesen wird belastet durch das Unrecht der Zwangsarbeit, solange
den Betroffenen die Unterstützung versagt wird und die Erinnerungsarbeit nicht
zur allgemeinen, öffentlichen Aufgabe zählt.
Dr. Andreas Eberhardt, Dr. Manfred Rexin,
GEGEN VERGESSEN - FÜR DEMOKRATIE Regionalkreis Berlin-Brandenburg
Gisela Wenzel,
BERLINER GESCHICHTSWERKSTATT
Dr. Norbert Meisner, Dr. Hilde Schramm,
KONTAKTE-KOHTAKTbI
Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion
Info: E. Radczuweit, Tel.: 78 70 52 88
Veröffentlichung: 22.11.2000
Bitte verbreiten Sie den Aufruf weiter! Hier können Sie Unterschriftenlisten
zum Auslegen und Weitergeben als PDF-Dokument
herunterladen. Oder unterstützen Sie diesen Appell per e-mail!
|