Rrezes Erzählung

Herkunft und Beruf

Ich heiße Rreze und komme aus einem Dorf im Kosovo aus einer sehr großen Familie. Ich trage den Namen meiner verstorbenen Schwester. Ich bin in einer Zeit geboren, als sogar der Sommer den Winter beneidet hat, als er mein Lächeln gesehen hat. Mein Beruf ist Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste. Nebenbei bin ich Poetin. Ich schreibe, weil mir alles, was ich sehe, gefällt. Auch wenn etwas sich nicht bewegt, habe ich den Wunsch, diesen Dingen Leben zu schenken. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder. Gott sei Dank geht es uns sehr gut. Ich arbeite als Betreuerin und Co-Trainerin ehrenamtlich in einem Fußball-Sportverein,

Ich habe sehr jung geheiratet. Das Gymnasium schloss ich ab. Danach lagen meine Prioritäten immer bei der Familie. Ich habe aber eine abgeschlossen Ausbildung. Und die Bibliothek, in der ich arbeite, ist ein Ort, von dem ich immer ein Teil sein möchte.

Bezüge zum Kosovo, zur albanischen Kultur

Manchmal denke ich daran, in den Kosovo zurückzukehren, wir haben dort ein Haus. Jede Zeile, die aus meinem Kopf fließt, verbindet mich mit Kosovo. Aber wenn ich da bin, weiß ich nicht, wo ich anfangen soll, es gibt keine großen Perspektiven. Die Kinder haben sich hier integriert und gefunden. Fühlen sich fremd, wenn wir im Kosovo sind. Es ist eine andere Kultur, andere Traditionen. Obwohl ich versuche die Kultur beizubehalten. Meine Kinder sind so hundertprozentig integriert, dass es mir manchmal nicht passt. Ich kämpfe für die albanische Identität meiner Kinder. Doch da, wo du dich wohl fühlst und du die Zukunft deine Kinder siehst, ist es nur natürlich, dass das zu deiner Heimat wird. Wenn ich an Kosovo denke, denke ich als erstes an die Seen des Dorfes. Das Wasser und die weißen Steine, die das Wasser reinigen. Ich fahre sehr oft hin, aber finde immer weniger von dem, was ich dort erlebte. Kosovo hat sich sehr verändert. Ich bin sehr zufrieden damit, aber die Natur ist nicht mehr so. Der Krieg hat alles verändert. Die Lebensstruktur hat er verändert.

Als Flüchtling nach Deutschland

Ich kam 1999 nach Deutschland, während des Kosovo-Krieges im Dezember 1999, als Flüchtling, mit meinen kleinen Kindern, illegal. Im Krieg habe ich sehr viel erlebt. Und arbeitete hier viel mit Menschen zusammen, die ebenfalls viel erlebten, und hoffe, dass irgendwann ihre Seele geheilt ist. Die Flucht hat drei Monate gedauert, es waren Wege, die ich nicht beschreiben möchte, weil ich mich für eine lange Zeit nicht mehr wohl fühlen würde. Viele der Erlebnisse, die mich stören, schreibe ich auf. Ich grabe somit eine Grube und lege sie da hinein, danach ist es für mich erledigt. Wobei die Erinnerungen nie ganz weg sind, sie kommen hin und wieder zurück.

In Berlin war mein Herz, d.h. mein Mann, der schon vorher hergekommen war um zu arbeiten. Mein Mann hält mich für sehr klug und bringt mir stets eine gewisse Freiheit entgegen. So kümmerte ich mich dann allein um die Anmeldungen, Visa, Aufenthaltsgenehmigungen. Ich hatte den brennenden Wunsch, die Sprache zu lernen, ich spürte, dass es kein Zurück gibt. Und um hier zu leben, muss man die Sprache beherrschen.

Wirkungen der Migration

Durch die Migration bin ich unabhängiger geworden. Ich komme ja aus einem sehr engen Umfeld. Wenn du Familie gründest ist es sowieso vorbei. Auch mit meinem Mann war das Leben hier einfacher, wir haben neu angefangen. Mein Partner ist vorbildlich. Und ich bin glücklich, dass die Kinder auf seinen Spuren gehen.

Familie und Freunde

Wir sind eine gelassene Familie, wir spielen Instrumente und der Sohn tanzt sehr gerne. Wir haben einen großen Freundeskreis, auch deutsche, türkische und arabische Freunde. Wenn man einen guten Freund hat, dann ist das etwas sehr Wertvolles im Leben. Ich bin ein Mensch, der überall Freundschaften aufbaut.

Familienbezüge

Mein Onkel war in den 70er Jahren Gastarbeiter in Deutschland. Ist hier jung gestorben. Meine Tanten lebten auch hier. Wir sind eine sehr patriotische Familie mit politischem Hintergrund und dafür auch im Kosovo bekannt.

Poesie

Für den Moment arbeite ich an einigen meiner Gedichte und denke daran, einen Gedichtband zu veröffentlichen. Es gibt einige interessierte Verlagshäuser. Ich erwarte, dass eine bekannte Zeitung einige meiner Gedichte druckt.

Ich bin politisch neutral. Hatte auch einige Möglichkeiten in die Politik zu gehen, aber ich bleibe bei der Poesie. Denn sie kann eine Botschaft für alle Menschen bereithalten, egal, welche politische Richtung sie verfolgen.