Sa., 9.12.2017 um 11 Uhr: Symbolische Tafelanbringung Zwangsarbeiterlager Wilhelmsaue 40

09.12.2017 21:27

Genug ist genug!

Endlich Erinnerung an ein im Zweiten Weltkrieg vom Bezirksamt Wilmersdorf betriebenes Zwangsarbeiterlager!

Berliner Geschichtswerkstatt bringt provisorische Gedenktafel am Haus Wilhelmsaue 40 an

Bei regnerischem Wetter erschienen am Samstag, den 9. Dezember 2017 circa 30 Personen, um der Einweihung einer provisorisch angebrachten Tafel zur Erinnerung an das Zwangsarbeiterlager Wilhelmsaue 40 zu erinnern. Bei der Veranstaltung sprachen: Jürgen Karwelat, Berliner Geschichtswerkstatt, Dr. Christine Glauning, Leiterin Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit –Berlin Schöneweide, und Dr. Michael Roeder, Historiker.

Seit nahezu drei Jahren wird in Charlottenburg-Wilmersdorf darüber diskutiert, ob am Haus Wilhelmsaue 40 eine Gedenktafel zur Erinnerung an die dort im Zweiten Weltkrieg untergebrachten Zwangsarbeiter angebracht wird. Der Historiker Dr. Michael Roeder hatte seinerzeit drei Dokumente gefunden, die belegen, dass an dieser Stelle Zwangsarbeiter verschiedener Nationen untergebracht waren. Was das Lager besonders macht: Es handelte sich um ein Lager in der Regie des damaligen Bezirksamts Wilmersdorf. Dies belegen mehrere Dokumente. Eines davon befindet sich im Archiv des Heimatmuseums Charlottenburg-Wilmersdorf. Es ist eine Anweisung des nationalsozialistischen Bezirksbürgermeisters vom 30. April 1944 zum „Einsatz von Ausländern des städtischen Ausländerlagers für Arbeitsleistungen im Verwaltungsinteresse“ an die „Herren Dienststellenleiter“ des Bezirksamts Wilmersdorf: „Ich behalte mir den Arbeitseinsatz der Ausländer selbst vor.“

Zweifel an Ort und Charakter des Lagers wurden vor allem von SPD und CDU vorgebracht,  z. B. mit dem abwegigen Hinweis, das Zwangsarbeiterlager sei nicht im öffentlichen Adressverzeichnis aufgeführt. Die Historiker Prof. Rürup und Prof. Benz äußerten sich eindeutig, dass die Dokumente das Zwangsarbeiterlager an dieser Stelle belegen. Hinzu kam eine glasklare Stellungnahme der Leiterin des Dokumentationszentrums NS Zwangsarbeit der Topographie des Terrors, Frau Dr. Christine Glauning, die das Bezirksamt zum Handeln aufforderte, worauf das Bezirksamt nie antwortete. Ebenso ließ das Bezirksamt eine Frist der Bezirksverordnetenversammlung bis zum 31. Oktober 2017 verstreichen und berichtete nicht, wie es weitergehen soll.

Jürgen Karwelat, Vorstandsmitglied der Berliner Geschichtswerkstatt erklärte: „Der Ort und die Verantwortung des damaligen Bezirks Wilmersdorf für das Zwangsarbeiterlager Wilhelmsaue 40 sind mehr als gut belegt. Die Anbringung einer Tafel ist mehr als überfällig. Eine Verzögerung ist unverantwortlich. Der Bezirk darf sich nicht seiner historischen Verantwortung entziehen. – Auch in Charlottenburg muss ein Ort des Gedenkens an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gefunden werden.“

Der Tafeltext lautet:

 „An dieser Stelle betrieb das Bezirksamt Wilmersdorf im Zweiten Weltkrieg ein Lager für Zwangsarbeiter.  

 

Es gab in Berlin circa 3000 Lager von staatlichen Betrieben und privaten Unternehmen, öffentlichen Stellen, auch Kirchen und anderen Institutionen, in denen etwa 500.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter untergebracht waren.

In Wilmersdorf befand sich mehr als ein Dutzend Lager.

 

Ohne Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter

wäre es dem nationalsozialistischen Staat

nicht möglich gewesen, diesen Krieg zu führen.

 

Berlin-Wilmersdorf, im Dezember 2017“

 

Das Haus steht im Eigentum des Landes Berlin und wird vom IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ) genutzt.

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