Mo., 24.6., 19:00 Uhr: Werkstattgespräch "Tourismus und Geschichtsbewusstsein"

21.06.2013 19:06

Berliner Geschichtswerkstatt e.V. und THF 33-45 e.V. laden ein

 

Werkstattgespräch „Tourismus und Geschichtsbewusstsein“

ReferentInnen: Cornelia Siebeck, Andreas Sander, Claudio Cassetti

Moderation: Mathis Eckelmann

Montag, den 24.06.2013 19.00 Uhr in der Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstr. 49, 10781 Berlin

U-Bahn Eisenacher Straße


Gedenken ist zwar auf die Vergangenheit gerichtet, in der Praxis zielt es aber immer auch auf die Gegenwart. Und nichts wird so häufig bemüht wie die „Geschichte“, wenn es darum geht, nationale oder auch lokale Identität zu behaupten.

Die Darstellung der Vergangenheit ist immer Resultat einer Auswahl - was, wie und wer erinnert wird, ist nicht unbeeinflusst von Anschauungen, Ideologien und Interessen der Gegenwart. Und auch in demokratischen und pluralistischen Gesellschaften ist das nicht einfach „Aushandlungssache“ - bestimmte Faktoren, der Zugang zu ökonomischen Ressourcen oder politischer Einfluss können die Weichen in die eine oder andere Richtung stellen.


Stadtpolitik ist nicht zuletzt Standortkonkurrenz. Auf einem Markt mit begrenzten Ressourcen treten Städte als Waren an, versuchen sich zu verkaufen. Sie geben sich Labels, vermarkten ihre Identität und konkurrieren um Unternehmen, Gelder und Besucher. Grade in Berlin ist der Tourismus dabei die wichtigste Einnahmequelle und mit über 10 Millionen Gästen im Jahr 2012 der bedeutendste Wirtschaftsfaktor.

Berlin ist jedoch nicht nur als Partystadt beliebt, ihre Anziehungskraft verdankt die Stadt auch ihrem Ruf als geschichtsträchtigem Ort – das schließt auch und gerade die Zeit des Nationalsozialismus mit ein. Und dennoch kämpfen viele Initiativen nach wie vor um ihre Existenz und um Anerkennung; die negative Haltung des Senats zu einer möglichen Gedenkstätte auf dem Tempelhofer Feld ist hier nur ein Beispiel.

Überdies bleibt offen, welche Folgen auch eine gelungene Integration des Gedenkens in den offiziellen Diskurs nach sich zieht. So könnte man fragen, ob es im Zuge der Touristisierung des Gedenkens auch zu einer „Eventisierung“ von Geschichte kommt. Und wenn dem so ist, bedeutet dies zwangsweise eine Reduktion auf „leicht bekömmliche“ Inhalte und das Ausblenden bestimmter Aspekte und unbequemer Konsequenzen? Was heißt es, wenn bestimmte Akteure das „Erinnern“ gestalten? In welchem Verhältnis stehen Zivilgesellschaft und Politik zueinander? Welche Beschränkungen und Voraussetzungen bestehen überhaupt, um aktiv an der Gedenklandschaft zu partizipieren? Und nicht zuletzt: Welche Beschränkungen sollten vielleicht auch bestehen?

Im Zuge des Werkstattgesprächs versuchen, uns gemeinsam mit Ihnen und unseren ReferentInnen Antworten auf einige dieser Fragen anzunähern.

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