Materialkoffer Zwangsarbeit

11.06.2014 06:12

Materialkoffer ZwangsarbeitDer Verein "Denk mal an Berlin" hat didaktische Materialien zur nationalsozialistischen Zwangsarbeit erarbeitet. Der Materialkoffer enthält über 50 Objekte und Fotografien mit Info- und Aktionskarten und Spielen. Darunter befinden sich auch Materalien aus der Sammlung der Berliner Geschichtswerkstatt. Eine wesentliche Rolle spielen die Erinnerungen der polnischen Zwangsarbeiterin Kazimiera Kosonowska. Die pädagogisch aufbereitete Materialsammlung eignet sich für 1,5 Stunden oder für die ganztägige Projektarbeit zum Thema Zwangsarbeit.

Er entstand gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Clay-Oberschule in Berlin-Rudow, die auf dem Gelände eines ehemaligen Zwangsarbeiterlagers, u.a. von Eternit, errichtet wurde.

Projektumsetzung: Corinna Tell und Mareen Maaß

Ausleihstationen: Denkmal an Berlin e.V., Museum Neukölln, Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide

Info: werkstatt@denk-mal-an-berlin.de

http://www.denk-mal-an-berlin.de/jugend/materialkoffer-zwangsarbeit.html

 

Weitere Informationen

Auf dem Gelände des ehemaligen Eternit-Werkes zwischen Köpenicker Straße, August-Fröhlich-Straße und Neudecker Weg in Berlin-Neukölln, Ortsteil Rudow wird seit vielen Jahren ein Neubau für die Clay-Oberschule projektiert. Nach Bekanntgabe des Neubauprojektes wurden Stimmen historisch interessierter Bürger laut, die an diesem Ort ein Zwangsarbeiterlager nachweisen konnten und die eine Aufarbeitung der Geschichte forderten.

Das Landesdenkmalamt Berlin untersuchte den Standort, lies ein Gutachten erstellen und stellte die hier noch vorhandene Wirtschaftsbaracke des sog. Lager III der Arbeitsgemeinschaft Rudow (ein Zusammenschluss diverser Wirtschaftsunternehmen zur Unterhaltung von Zwangsarbeiterlagern während des Zweiten Weltkriegs) 2013 unter Denkmalschutz. Aufgrund der Not an Schulräumlichkeiten und der hier aufeinander treffenden widersprüchlichen öffentlichen Interessen gab das Landesdenkmalamt noch im selben Jahr einem Antrag auf Abriss der Baracke unter der Prämisse einer umfassenden Dokumentation, einer archäologischen Grabung und der Einrichtung eines Gedenkortes statt.

Das Interesse der hiesigen Denkmalpflege und des Museums Neukölln an der Aufarbeitung der Geschichte des Standortes und an der Vermittlung des Themas Zwangsarbeit ist groß. Im Rahmen des Jugendprojektes „werkstatt denkmal“ zum Jahresthema 2013 „Unbequeme Denkmale“ wurden auch Fördermittel für den Materialkoffer bewilligt. Daher ist der Verein Denk mal an Berlin e.V. in der glücklichen Lage dieses pädagogische Werkzeug in Zusammenarbeit mit fachlich versierten Kooperationspartnern und der Schule selbst zu erarbeiten.

Lernen aus dem Koffer hat den Vorteil, sich ausgehend von Dingen (Originalen wie Reproduktionen) abstrakter Geschichte zu nähern. Mittels verschiedener Gegenstände und historischer Quellen in Kombination mit einem durchdachten pädagogischen Konzept (einzelne Aufgaben, Stationenlernen, Rollenspiele, Objektinterviews etc.) sowie einer einfach zu handhabenden Anleitung können sich die Schülerinnen und Schüler einen Zugang zum Thema Zwangsarbeit schaffen. Zugleich agierten die Jugendlichen als Kuratoren, als sie im Rahmen einer Projektwoche vom 27. bis 30. Januar 2014 den Inhalt des Koffers testeten, mitbestimmten und ergänzten.

Die pädagogisch aufbereitete Materialsammlung soll das Thema Zwangsarbeit möglichst breit darstellen, aber auch die Schüler der Clay-Oberschule für den neuen Standort ihrer Schule sensibilisieren. Nicht zuletzt soll die Frage thematisiert werden, wie mit solch unbequemen Orten umgegangen werden kann.

Der Koffer wird in zweifacher Ausfertigung ab Mai 2014 über den Verein und das Museum Neukölln für Pädagogen und interessierte Jugendliche zur Ausleihe bereit stehen.

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