Dafinas Erzählung

Als Jugendliche, um 1990
Als Jugendliche, um 1990

Geboren in Berlin

Ich wurde 1977 in Berlin als Tochter einer Zuwandererfamilie aus Skopje, Mazedonien, geboren. Mit fünf Jahren wurde ich eingeschult und musste, da wir zu Hause nur die albanische Sprache praktizierten, die Vorschule wiederholen. Mit sieben kam ich in die erste Klasse. Bin dann auf ein Gymnasium. In der Schule war es eigentlich für mich immer sehr gut. Ich hatte viele Freunde und habe nie gespürt, dass ich nicht dazu gehöre. Am Ende der Schulzeit entschied ich mich dann für ein betriebswirtschaftliches Studium, das Studium schloss ich als Diplom-Kauffrau ab.

Die Eltern

Meine Eltern kamen Anfang der 70er Jahre nach Berlin. Zuvor ist mein Onkel nach Berlin ausgewandert, er überzeugte meinen Vater, dass er hier bessere medizinische Möglichkeiten habe. Weil meine Eltern zu dem Zeitpunkt schon sechs Jahre verheiratet waren und Kinder wollten, es aber nicht klappte. So kam mein Vater, Schneider von Beruf, hierher. Meine Mutter hat die Trennung nicht ausgehalten, so kam auch sie. Mein Vater arbeitete hier als Bügler in einer Textilfirma. Das war ok. Dann fingen die medizinischen Untersuchungen an. Nach sieben Jahren haben sie mich bekommen, danach noch zwei Söhne. Mein Vater arbeitete bis Mitte der 90er Jahre als Bügler; ich fand es immer traurig, dass er seinen eigentlichen Beruf hier nicht ausgeübt hat. Meine Mutter fing an zu arbeiten, als wir Kinder in die Schule kamen, als Reinigungs- und Kochhilfe in einem Exportgeschäft. Meine Eltern wollten immer zurück. Dementsprechend waren auch die Lebensverhältnisse, man hat sich hier weder Luxuswohnung noch Haus gekauft. Sondern in einer kleinen Wohnung gelebt und versucht Geld zu sparen. Zwei große Wohnungen haben meine Eltern in Skopje gekauft, sie dienen nur Urlaubszwecken. Meine Eltern haben sich jetzt damit abgefunden, hier zu bleiben - mein Vater noch nicht ganz. Er ist jetzt um die 70 und ist traurig.

Berufstätigkeit und Kinderbetreuung verbinden

Nach dem Studium war ich gleich Mutter. Habe dann aber das Glück gehabt in ein Unternehmen zu kommen, das im Bereich Finanzen Veranstaltungen organisierte. Leider konnte ich das nur acht Monate machen, mein Kind hatte in der Phase Probleme mit der Bronchitis. Gottseidank habe ich 2009 eine neue Stelle als Personalberaterin und Projektkoordinatorin gefunden, in einem Unternehmen, wo ich in Teilzeit tätig sein und mich trotz dessen einigermaßen verwirklichen kann. Es ist nicht das, was ich mir immer gewünscht habe, aber es ist aufgrund meiner Situation als alleinerziehende Mutter sehr hilfreich.

Zwischen den Kulturen

Es war nicht immer leicht, sich zwischen den Kulturen zurechtzufinden - man schwebt immer zwischen beiden Kulturen ein bisschen. Manchmal ist man mehr deutsch, manchmal mehr albanisch, manchmal was dazwischen. Es ist trotzdem eine Bereicherung, von beiden etwas zu haben. Wir leben alle mittlerweile in einer globalisierten und zusammengewürfelten Welt, da ist man halt Kosmopolit.

Kriege und Bürgerkriege

Der Krieg im Kosovo 1999 war sehr schlimm. Meine Eltern sind beide im Kosovo geboren und haben dort Familie. Als wir dann erfuhren, dass Verwandte von uns umgekommen sind, einer von ihnen in meinem Alter, war das noch viel schlimmer. Die Albträume haben mich auch nach dem Krieg lange nicht in Ruhe gelassen. In dieser Phase habe ich mich mehr albanisch und mit diesem Volk verbunden gefühlt als je in meinem Leben zuvor. Man sollte nie vergessen, was da passiert ist (auch im Zweiten Weltkrieg – hier hat mich ein Tagebuch sehr geprägt, in dem viel Leid beschrieben wurde). Auch in Mazedonien gab es nach dem Kosovokrieg in 2000 und 2001 kurzzeitig bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen, die sich aber schnell beruhigten, da die Mazedonier erkannten, dass, wenn sie ins europäische Boot möchten, man was ändern muss.

Die Menschen sind kriegsmüde auf dem Balkan. Ich hoffe, dass das noch lange so bleibt.